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Union démocratique du centre: Die Schweizer SVP im Überblick

George James Carter Sutton • 2026-05-27 • Gepruft von Daniel Becker

Wer sich durch das Schweizer Parteienspektrum arbeitet, stösst unweigerlich auf die Union démocratique du centre (UDC) – eine Partei, die auf Französisch anders heisst als auf Deutsch und die seit Jahrzehnten die politische Agenda mitbestimmt. Dieses Porträt zeigt, wie die UDC aus einer bäuerlichen Sammlungsbewegung zur stärksten Kraft wurde, welche Positionen sie heute vertritt und wo die grössten inneren Spannungen liegen.

Gründungsjahr: 1971 ·
Sitze im Nationalrat (2023): 53 ·
Wähleranteil (2019): 25,6 % ·
Parteivorsitzender: Marco Chiesa ·
Bundesratssitze: 2

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Zukünftige Ausrichtung nach der Ära Blocher
  • Ob die UDC ihre Position als stärkste Partei langfristig halten kann
  • Entwicklung der innerparteilichen Flügel (moderat vs. radikal)
  • Wie sich die UDC in der Klimapolitik neu positionieren wird
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
  • Nationalratswahlen 2023: UDC bleibt stärkste Kraft
  • Parteipräsident Chiesa sucht Profil
  • Spannungen zwischen moderatem und radikalem Flügel

Sechs Kernfakten geben einen raschen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen der Partei.

Merkmal Wert Quelle
Gründungsjahr 1971 Historisches Lexikon der Schweiz
Parteivorsitzender Marco Chiesa UDC (offizielle Webseite)
Sitze Nationalrat (2023) 53 Parlament.ch (Sitzverteilung)
Wähleranteil (2019) 25,6 % Swissinfo (Wahlergebnisse)
Bundesratssitze 2 admin.ch (Bundesrat)

Was ist die Union démocratique du centre?

Geschichte und Gründung

Offizielle Bezeichnung in den Landessprachen

  • Deutsch: Schweizerische Volkspartei (SVP)
  • Französisch: Union démocratique du centre (UDC)
  • Italienisch: Unione democratica di centro (UDC)

Diese dreisprachige Identität ist typisch für die Schweiz, führt aber immer wieder zu Verwechslungen – vor allem, weil die französische Abkürzung UDC im deutschsprachigen Raum oft irrtümlich für eine andere Organisation gehalten wird.

Der Dreh

Wer in Schweizer Medien von der UDC liest, meint fast immer dieselbe Partei wie die SVP. Die beiden Bezeichnungen sind offiziell gleichgestellt.

Das heisst: Die Partei operiert unter zwei Namen und bleibt dennoch eindeutig – ein strategischer Vorteil im mehrsprachigen Land.

Welche politischen Positionen vertritt die UDC?

Europapolitik

Zuwanderung

  • Die Partei plädiert für eine restriktive Zuwanderungspolitik und die Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials.
  • Sie lancierte mehrere Volksinitiativen zur Begrenzung der Immigration, darunter die Ausschaffungsinitiative (2010).

Wirtschaftspolitik

  • Die UDC setzt sich für tiefe Steuern, weniger Staat und eine liberale Wirtschaftspolitik ein.
  • In der Sozialpolitik verfolgte sie in den 1970er-Jahren noch eine eher zentrierte Linie, die seit den 1990er-Jahren zunehmend kritischer gegenüber Sozialversicherungen geworden ist (Histoire de la sécurité sociale (Positionswandel)).

Was das bedeutet: Die UDC bedient ein konservatives bis rechtspopulistisches Spektrum, das nationalkonservative Werte mit wirtschaftsliberalen Forderungen verbindet – ein Spagat, der nicht immer konfliktfrei gelingt.

Spannungsfeld

Die Partei fordert zwar tiefe Steuern für Unternehmen, gleichzeitig aber hohe Ausgaben für Landwirtschaft und Grenzschutz – ein Widerspruch, der von politischen Gegnern regelmässig thematisiert wird.

Die Folge: Die UDC muss ständig zwischen Wirtschaftsliberalismus und nationalkonservativen Ausgabenprioritäten balancieren.

Wie ist die Geschichte der UDC?

Gründung 1971

  • Fusion der BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei) mit der Demokratischen Partei der Kantone Glarus und Graubünden zur SVP/UDC (HLS (Fusionsgeschichte)).
  • Die Vorgängerpartei PAB/PAI war Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, um die Interessen von Landwirtschaft und Handwerk zu vertreten (HLS (Vorgeschichte)).

Aufstieg unter Christoph Blocher

  • In den frühen 1990er-Jahren wandelte sich die UDC von einer konservativen Mitte-rechts-Partei zu einer rechtspopulistischen Kraft (HLS (Wandel)).
  • Christoph Blocher wurde 1992 Parteipräsident und trieb den Rechtsruck voran. 2003 gelang ihm der Einzug in den Bundesrat (JUSO Schweiz (Blochers Rolle)).
  • 2007 erzielte die UDC mit 29 Prozent der Stimmen ihr historisch bestes Ergebnis (JUSO Schweiz (Rekordresultat)).

Entwicklung zur stärksten Partei

  • Seit 1999 ist die UDC die stimmenstärkste Partei der Schweiz (Wikipedia (Wahlergebnisse)).
  • 2008 spaltete sich die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) ab, nachdem Blocher nicht wiedergewählt worden war.
  • 2020 übernahm Marco Chiesa das Parteipräsidium.

Zeitleiste der UDC

  • – Gründung der SVP (UDC) durch Fusion von BGB und Demokratischer Partei (HLS)
  • – Christoph Blocher wird Parteipräsident und treibt den Rechtsruck voran (Histoire de la sécurité sociale)
  • – Die UDC wird zur stimmenstärksten Partei der Schweiz (Wikipedia)
  • – erstmalige Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat (JUSO Schweiz)
  • – Rekordresultat von 29 %, Nichtwiederwahl Blochers
  • – Abspaltung der BDP
  • – Marco Chiesa wird neuer Parteipräsident
  • – Nationalratswahlen: UDC bleibt stärkste Kraft mit 53 Sitzen

Der rote Faden: Die UDC hat sich von einer Bauernpartei zur dominierenden Kraft der Rechten entwickelt – doch der Preis ist innere Zerrissenheit.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • Gründungsjahr 1971 (HLS)
  • Christoph Blochers prägende Rolle in den 1990er-Jahren (JUSO Schweiz)
  • Wahlerfolge seit 1999 (Wikipedia)
  • Aktuelle Sitze und Bundesratssitze (Parlament.ch)

Was unklar ist

  • Zukünftige politische Ausrichtung nach der Ära Blocher
  • Ob die UDC ihre Position als stärkste Partei langfristig halten kann
  • Entwicklung der innerparteilichen Flügel (moderat vs. radikal)
  • Wie die Partei auf die Klimapolitik reagieren wird

Welche Rolle spielt die UDC im politischen System der Schweiz?

Bundesratssitze

  • Die UDC stellt traditionell zwei Bundesräte: aktuell Guy Parmelin und Albert Rösti.
  • Seit 1929 war die BGB/Vorgängerpartei im Bundesrat vertreten (Histoire de la sécurité sociale (Bundesratsgeschichte)).

Nationalrat und Ständerat

  • Die UDC hat die meisten Sitze im Nationalrat (Stand 2023: 53).
  • Im Ständerat ist sie deutlich schwächer vertreten – 2023 stellte sie nur 6 von 46 Mitgliedern.

Einfluss auf Referenden und Initiativen

  • Die Partei nutzt häufig das Instrument der Volksinitiative, um ihre Anliegen durchzusetzen – etwa die Ausschaffungsinitiative oder die Minarettverbots-Initiative.
  • Sie gilt als treibende Kraft hinter mehreren erfolgreichen Referenden gegen internationale Abkommen.

Die UDC spielt im schweizerischen System der direkten Demokratie eine Doppelrolle: Sie ist einerseits Regierungspartei mit zwei Bundesratssitzen, andererseits opponiert sie gegen viele Vorlagen der eigenen Regierung. Das schafft Spannungen, aber auch Glaubwürdigkeit bei ihren Wählern.

Wie unterscheidet sich die UDC von anderen Schweizer Parteien?

Vergleich mit der SP

  • Die SP ist wirtschaftspolitisch links, die UDC rechts – sie lehnt einen EU-Beitritt ab und verfolgt eine restriktive Migrationspolitik.
  • Beide Parteien stehen sich bei Sozialausgaben gegenüber: Die SP fordert mehr Staat, die UDC weniger.

Vergleich mit der FDP

  • Die FDP ist ebenfalls wirtschaftsliberal, aber europafreundlicher und sozialliberaler (etwa bei gleichgeschlechtlicher Ehe).
  • Die UDC ist nationalkonservativer und setzt stärker auf Souveränität und direkte Demokratie.

Vergleich mit der Mitte (CVP)

  • Die Mitte ist sozialpolitisch breiter und weniger migrationskritisch als die UDC.
  • Beide sind christlich-konservativ verwurzelt, aber die UDC hat sich radikalisiert und die Mitte in vielen Kantonen überflügelt.

Der Unterschied zur FDP und Mitte zeigt sich am deutlichsten in der Europapolitik: Während diese beiden Parteien eine Annäherung an die EU befürworten, bleibt die UDC auf Konfrontationskurs.

Fazit: Die UDC ist keine normale Regierungspartei. Sie vereint Oppositionsrolle und Regierungsverantwortung – und lebt von dem Widerspruch, den das erzeugt. Für Wähler, die eine klare, nationalkonservative Linie suchen, ist sie die einzig verlässliche Adresse. Für Anhänger einer europäischen Öffnung bleibt sie ein rotes Tuch.

Das Muster: Die UDC profitiert von ihrer Widersprüchlichkeit – sie kann gleichzeitig regieren und protestieren.

Zitate zur UDC

„Die UDC definiert sich selbst als Volkspartei, die für Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit eintritt.“

– Parteiprogramm der UDC

„Die UDC ist die einzige Partei, die die Interessen des Volkes gegenüber der politischen Elite vertritt.“

– Christoph Blocher (ehemaliger Parteipräsident)

„Die UDC hat es geschafft, mit einer Mischung aus EU-Skepsis und Migrationskritik breite Wählerschichten anzusprechen.“

– Politikwissenschaftler (zit. in der NZZ)

Für die Schweizer Parteienlandschaft bedeutet der anhaltende Erfolg der UDC eine ständige Herausforderung: Die etablierten Parteien müssen sich immer wieder fragen, ob sie mit nationalkonservativen Positionen konkurrieren oder die Mitte stärken wollen. Die Richtungsentscheide der kommenden Jahre werden zeigen, ob die UDC ihre dominante Rolle halten kann oder ob Gegenbewegungen sie zurückdrängen.

Verwandte Beiträge: Arena heute Abend Thema: Wie weiter beim Verkehr? SRF · Rentenalter Frauen Schweiz Jahrgang 1962: Frührente ab 62 möglich?

Weitere Quellen

geneve.ch, fr.wikiquote.org

Ein detailliertes Porträt über den SVP-Nationalrat Alfred Heer bietet weitere Einblicke in die Arbeit eines langjährigen SVP-Politikers.

Häufig gestellte Fragen

Warum heisst die Partei auf Französisch Union démocratique du centre?

Die offizielle französische Bezeichnung ist seit 1971 gültig und spiegelt die föderale Struktur der Schweiz wider. Sie bedeutet wörtlich „demokratische Union der Mitte“ und soll die Partei als gemässigte Kraft positionieren.

Welche Rolle spielt Christoph Blocher heute in der UDC?

Blocher ist offiziell nicht mehr im Vorstand, bleibt aber als Finanzier und Ideengeber einflussreich. Seine Meinung wird in Medien und Partei nach wie vor stark beachtet.

Wie viele Mitglieder hat die UDC ungefähr?

Parteiangaben zufolge zählt die UDC rund 90 000 Mitglieder (Stand 2023).

Gibt es eine Jugendorganisation der UDC?

Ja, die Junge SVP (JSVP) ist die offizielle Jugendorganisation der Partei und vertritt oft noch radikalere Positionen als die Mutterpartei.

Wie steht die UDC zur Klimapolitik?

Die UDC lehnt viele Klimaschutzmassnahmen als zu teuer und staatseingreifend ab. Sie setzt stattdessen auf technologische Innovation und freiwillige Massnahmen.

Was ist der Unterschied zwischen UDC und SVP?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied: Es handelt sich um ein und dieselbe Partei mit unterschiedlichen Bezeichnungen in den vier Landessprachen.

Kann ich der UDC als Ausländer beitreten?

Ja, Ausländer mit einer gültigen Aufenthaltsbewilligung können in der Schweiz einer Partei beitreten. Die UDC erhebt keine speziellen Hürden, werbt aber nicht gezielt um ausländische Mitglieder.



George James Carter Sutton

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George James Carter Sutton

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